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Contributors: Alexander Rabl (Text) +++ Stefan Fuhrer (Layout)+++
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Montag, 9. August 2010

Kitzbühel ohne Fiona, zwei.





Natürlich begegnet der gelernte Österreicher einer harmlosen russischen Milliardärin, die sich hier zum Spaß ein Hotel baut, erst einmal mit Häme und Spott. Das Interieur gefällt ihm nicht und alles wirkt auf einmal zu groß, zu reich und überhaupt. Ich sage aber: mir gefällt es! Ich mag die Großzügigkeit der Zimmer, so weitläufig, dass man beim Abschreiten der Räume und Suiten ruhig die Trekkingschuhe anlegen kann. Und so frei von Alpenschnickschnack, dass es eine Wohltat ist. Und den Geruch von Holz, der die ganze Anlage wie ein edles Parfum durchströmt, den mag ich auch. Er erinnert mich, dass die Berge nah sind. Doch besonders schätze ich die Anwesenheit von Bobby Bräuer in der Küche. Ich erhole mich mithilfe einiger Kleinigkeiten - und Weinflaschen - von den Eindrücken des Kitzbüheler Jahrmarkts und seiner Besucher. Bobby Bräuer ist kein Freund des Herumgefiesels am Teller und damit sind wir schon zwei. Eine Idee und ein Produkt im Mittelpunkt. Und: keine Angst vor den edlen Dingen, die immer noch Spaß machen, wenn ein guter Koch sie in die Pfanne haut. Oder unter den Salamander legt. Oder im Fond pochiert. Ein Bries vom Milchkalb aus dem Nachbarort als Amuse Gueule, eine perfekte Gänseleber in einer Kombination mit Stachelbeeren von erfrischender Säure, traumwandlerisch sicher abgeschmeckte Saucen. Felsenrotbarben trifft man selten in den Tiroler Alpen. Dieser Fisch verzeiht es nicht, wenn man ihn auch nur ein paar Stunden zu lange transportiert oder lagert. Bobby Bräuer serviert uns die kleinen Zicken aus dem Meer mit Tomatenfondue und einer kleinen Sensation: Calamari. Dass die kleinen Gummireifen auch schmecken können und wie, das wußte ich gar nicht. Bräuer hat's mir gezeigt. Volles Aroma voraus. Und dann noch die Taube aus der Bresse mit Kumquats und gestocktem Karottenmus. (Hier eine der wenigen Produkte der Molekularküche, die Bestand haben werden: eine Geliertechnik, die Flüssigkeiten bei Erwärmung fest werden lässt.) Und das göttliche Topfensoufflé. Und die Lady mit dem Dessertwagen. Die Weine, die wir dazu getrunken haben, erwähne ich jetzt nicht. Ich will nicht, dass Sie mich vor Neid zu hassen beginnen, und nie wieder in diesen Blog einsteigen. (ar)

Petit Tirolia im Grand Hotel Tirolia
Eichenheim 8
Tel.: 05356/666 158 21

Kommentare:

  1. Angelika Deutsch10. August 2010 um 08:15

    Ach was Neid, ich warr doch selbst erst dort und hatte die Niere im GANZEN und nicht nur als Amuserl ... Zum Wein sag ich nur: Elsass, gereift.

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  2. Ha, Angelika, den Elsässer hatten wir auch. (Und dass ich jetzt zwei Monate später reagiere, tut nichts zur Sache, vor allem nicht in Anbetracht der vielen Jahre, die der E. auf dem Buckel hatte ...

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