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Contributors: Alexander Rabl (Text) +++ Stefan Fuhrer (Layout)+++
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Mittwoch, 8. September 2010

Merci, Cheri.

Das Theatercafé hat ab Morgen neue Betreiber, Sie haben sicher schon gehört davon. Leo Doppler ist ein Rastloser. Für sein neues Etablissment hat er sich was Neues überlegt. Was Gewagtes. Denn wir sind in Wien. Doppler will das Theatercafé mit Pariser Flair und französischen Snacks bestellen. Gute Weine. Ein Crémant de Bourgogne. Eine schöne Idee. Ab Freitag soll es zum Frühstück auch Croissants geben. Petz arbeitet gerade an der Schokoladefüllung. Das Croissant soll es dann mit und ohne Schokoladefüllung geben. Vielleicht hat Wien dann (neben dem wunderbaren Orlando di Castello) endlich essbare Croissants. Croissants und keine faden und blassen Fettkipferln aus der Backfabrik. Croissants hatte ich übrigens keine, als ich im Theatercafé in eine betriebsinterne Eröffnungsfeier partycrashte, aber sehr gute Quiches, eine feine Salad Nicoise und eine witzige Crepe mit Kräutern und Frischkäse. Übrigens traf ich dort Christian Domschitz, des Herrn Dopplers Schwager, der mir erzählte, dass er sich dem Französischen jetzt auch eingehend widmen werde. Man wird sehen, kosten und berichten. (ar)

Kommentare:

  1. Endlich! Endlich ist eine der letzten Bastionen dieser dreckigen verstunkenen Raucherbande gefallen! War ja auch nicht mehr auszuhalten, den Zigarrenqualm dieses peinlichen Jeannee oder wie sich der Typ von der Krone schreibt, einatmen zu müssen. Ein anderes Lokal aussuchen? Wär ja noch schöner gewesen. Wir nichtrauchen, wo wir wollen! Und Rache ist süß: wir werden jetzt mit unverhohlener Schadenfreude zuschauen, wie die Raucher im Winter von den Heizstrahlern geschmort werden.

    Endlich, endlich wird einmal mit diesem alten verzopften Bild von Bistro und Brasserie aufgeräumt, auch hierzulande, nachdem dies in Paris schon allenthalben geschieht. Beginnend mit jenem Urknall vor einem Jahrzehnt, als das berühmte "Le Zinc" am Ostrand der einplanierten Fläche, auf der einmal die Hallen standen, von einem Tag auf den anderen zu einem Vorreiter unserer geliebten System-Gastronomie mutiert war. Mit Sandwiches statt Kalbsnieren, mit Fischstäbchen statt L'Hering, mit Prickelwasser statt Ricard, Suze oder Picon. Ironie der Geschichte, dass ein solcher "Zinken" das Prachtstück der Renovierung ist, die endlich jene Systemgemütlichkeit geschaffen hat, die wir uns so lange wünschten. Nur: diese Zincs strahlten immer golden, nie silbern, aber diese Ungenauigkeit sei verziehen, der Wille zum Zitat steht für das Originalzitat.

    Und schließlich die Hauptsache: der absolute Triumph der Moderne in der Küche. Es ist ja wirklich so, dass in der aufgeklärten Welt unserer heutigen Wellness-Genießerschaft diese grauslichen Innereien, die Kernbestandteil der "klassischen" französischen Küche waren, nichts mehr zu suchen haben. Wir haben eine neue Klassik begründet – die hauptspeisenlose Küche. Wozu stundenlang tierische Teile kochen, brutzeln, schmurgeln und schmoren. Das ist ja nur mehr unhygienisch – und auch politisch gar nicht korrekt, denn Tiere sind auch nur Menschen. Salate, Quiches, Crepes,ein bisschen Kräuter hier, ein bisschen Frischkäse da, ja, genau so wollen wir das, das ist der Geist der Stunde. So wenig belastend, so gesund, so sportlich, da können wir dann anschließend nebenan konzentrierte drei Stunden lang der Ausgrabung einer Oper aus dem 17.Jahrhundert lauschen. Und anschließend gehen wir sowieso gleich ins Bett, da brauchen wir keinen Marc mehr als Schlummertrunk.

    Herr Doppler, Sie Rastloser, Sie Wagender, wie Sie Herr Rabl-Stadler so schön apotheiert, lassen Sie sich bitte ja nicht aufhalten und abbringen vom rechten Weg in die Moderne. Auch nicht von Anfechtungen, die einmal an Sie herantreten könnten wie etwa die Zubereitung eines Croque Monsieur, der von unbelehrbaren Reaktionären immer noch für den ultimativen Ausdruck französischer Imbisskultur gehalten wird.
    Ihr geschäftlicher Erfolg scheint jedenfalls gesichert, denn die Busladungen frankophiler Kulturbegeisterter aus St.Pölten und Umgebung, die regelmäßig vorm Theater an der Wien abgeladen werden, werden es Ihnen nachsehen, wenn sie kein Perrier bekommen und kein Kronenbourg, sie werden sich mit Vöslauer und Ottakringer zufrieden geben, nur um in den Genuss des französischen Flairs Ihres Lokals zu kommen. Und das Haus nebenan wird sich dann auch in die Opera de la Bastille verwandeln. So einfach ist es heute, zu Weltläufigkeit und Internationalität zu gelangen. Tausend Dank!

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  2. Angelo Peer hat Recht. Und auch wieder nicht ganz. Der Wiener ist ja grundsätzlich eher frankophob. Von der echten Lyonnaiser oder Pariser Bistrokultur weiß er nichts, will er auch nichts wissen. Der lobenswerte Versuch Theatercafé, man wird erst sehen müssen, was aus ihm wird. Doch der Platz war in den letzten Jahren, von der Raucherlaubnis abgesehen, nur mehr traurig. Au revoir Tristesse also. Immerhin gibt es Cremant. Die Verottakringisierung Wiens und die Vöslauerierung des Wiener Wassers allerdings sind ebenso bedenklich die die grassierenden Rauchverbote, ungustiöse Vorboten einer autoritätsgläubigen Zeit.

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