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Contributors: Alexander Rabl (Text) +++ Stefan Fuhrer (Layout)+++
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Mittwoch, 22. Dezember 2010

Frau von und zu schlechter Kaffee.

Die Abschaffung des Adels im öffentlichen  Leben Österreichs: politisch vielleicht opportun, ästhetisch gesehen eher ein Desaster. Wir haben keine von Guttenbergs und keine van der Leyens in der Regierung, dafür jede Menge Bures, Hundsdorfers oder Prölls. Und das schlimme ist, dass diese Bures, Hundsdorfers oder Prölls auch so reden und aussehen, als ob sie Pröll, Hundsdorfer oder Bures heißen würden. (Von Karli Grasser oder Meischi gar nicht erst zu reden. Die sind ja nicht satisfaktionsfähig.) Also unerfreulich. Andererseits auch wieder verständlich, des Österreichers Abneigung gegen den Adel, wenn man zum Beispiel am frühen Morgen die Gräfin am Naschmarkt betritt. Hier hat einer gewiss nicht Lokalverbot: der Siff. Orangensaft "frisch gepresst" mit Wasser und am oberen Glasende schwebendem Fruchtfleisch. Die Buttersemmel: ein hartes, ofenheißes UFO mit selbst aufzuttragender Butter, die der Gast der Gräfin mit dem selben Messer zerteilt, mit dem er auch das Spiegelei mit Schinken schneidet - Sunny Side Down. Aber der tatsächliche Niedergang des Abendlandes, die wirkliche Wucht der Unverschämtheit findet in einer angeschlagenen Segafredotasse statt und heißt in diesem Lokal Cappuccino. Falls die Segafredos wegen Rufschädigung klagen, man würde es ihnen nicht verdenken. Dass der Wiener nach einem solchen Frühstück Grafen, Fürsten und ihresgleichen nicht sympathischer findet, ist ebenfalls höchst verständlich, wenn auch nicht immer fair. (ar)


Kommentare:

  1. Selber schuld. Da geht man halt zum Frühstücksbuffett ins Imperial. Dort ist der Kaffee zwar auch nicht viel besser, man kann aber den O-Saft mit österreichischen Sekt aufspritzen! Das ist der imperiale, altrosafarbene Abendglanz, morgens!

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  2. Im Imperial gibt es eines der besten Frühstücke der Stadt. Aber leider nicht um halb sechs Uhr morgens ...

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  3. Früher ist man ins Drechsler gegangen. Da hat man sich auf die Kunstlederbank gesetzt. Sproing, und eine Feder bohrte sich in das linke Gesäß. Man rückte zur Seite. Sproing! Das rechte Gesäß! Dann kam der freundliche Kellner und man bekam verbrannte Eier und das vermutlich grauslichste Achterl Weiß in Wien. Der Kaffee war auch nicht viel besser. Zumindest gabs Kipferl mit Butterpackerl mit rot gefärbter Kürbismarmelade. Dennoch war es Kult. Leider hat man das Lokal zu Tode renoviert!

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  4. Über das neue Drechskaffeehaus wird an dieser Stelle ebenfalls in Kürze zu lesen sein. Bitte um Geduld.

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